Wie würdest du Pragmatismus Kindern erklären?

In vielerlei Hinsicht ist es die Königsdisziplin, komplizierte Begriffe so zu erklären, dass sie auch Kinder verstehen. Denn ob man einen Begriff wirklich verstanden hat, zeigt sich oft daran, dass man in einfach und anschaulich erklären kann.

Den Begriff des Pragmatismus Kindern zu erklären, ist in gewisser Weise einfach. Denn Kinder sind in ihrem Verhalten dem pragmatischen Vorgehen oft viel näher als wir Erwachsene. Sie sind Meister des pragmatischen „Versuch und Irrtums“ und kümmern sich meist wenig um starre Dogmen und Prinzipien. So wäre also meine Erklärung für Kinder, was Pragmatismus ist:

Pragmatismus ist ein Wort dafür, wie wir Menschen denken und handeln. Der Pragmatismus sagt, dass wir oft sehr viel rumprobieren und experimentieren müssen, um herauszufinden, was richtig ist und was wir tun sollen. Das mag ganz logisch und einfach klingen, aber wir Erwachsene vergessen das oft.

Denn wir Erwachsene glauben, dass wir ganz viel nachdenken und vergleichen müssen, damit wir wissen, was wir tun sollen. Ein bisschen stimmt das auch, aber viel mehr lernen wir durch Ausprobieren und dadurch, dass wir Sachen tun. Wenn man als Kind zum Beispiel laufen oder Fahrrad fahren lernt, dann nicht, indem man ganz viel und lange darüber nachdenkt. Sondern in dem man es ganz oft ausprobiert. Am Anfang funktioniert es nicht, aber mit jedem Versuch lernt man ein bisschen mehr dazu und irgendwann klappt es.

So wissen wir zum Beispiel auch, das wir Menschen nicht so ohne Weiteres fliegen können. Nicht in dem wir ganz lange darüber nachdenken, sondern indem wir als Kinder alle mal versucht haben, mit unseren Armen zu flattern, um zu sehen, ob wir nicht wie die Vögel abheben werden.

Der Pragmatismus erinnert uns Erwachsene daran und erklärt uns, dass es okay ist, dass wir Menschen so sind. Wir müssen nicht zu jedem Problem die perfekte Lösung haben. Es reicht, wenn wir es immer wieder versuchen und unsere Versuche immer mehr verbessern. Auch wenn das anstrengend ist, irgendwann klappt es. Genauso wie beim Fahrrad fahren lernen.

Für den amerikanischen Wissenschafter Louis Menand ist der Pragmatismus daher einfach eine Beschreibung, wie wir Menschen funktionieren. Doch bei all unserer Suche nach rationalen Gründen und 100% Gewissheit vergessen wir das allzu oft. Der Pragmatismus erinnert uns also daran und ermutigt uns, einem Weg aus „Glauben -> Versuchen -> Irren -> Verbessern“ zu folgen. Ein Weg, bei dem wir immer wieder mal stolpern und scheitern werden. Aber ein Weg, der immer weitergeht und uns neue Horizonte eröffnet, statt uns zu lähmen, weil wir nach der einen „perfekten“ Lösung suchen.

Mehr Infos im Buch

Diesen pragmatischen Prozess habe ich in meinem Buch „Was tun, wenn man nichts tun kann?“ ausführlich, verständlich und anhand vieler Beispiele beschrieben.

Nominiert für den NDR-Sachbuchpreis 2025 (Longlist)

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