Was ist die Definition von „pragmatisch“?

Pragmatisch“ ist ein Wort, das einem in unserem täglichen Sprachgebrauch immer wieder unterkommt. So zum Beispiel, wenn jemand sagt: „Wir müssen das Problem pragmatisch angehen“ oder „Ich sehe das ganz pragmatisch“. Aber was ist eigentlich die Definition von „pragmatisch“? Was bedeutet dieses Wort?

Zur Klärung dieser Frage kann man einen Blick in ein Wörterbuch wie den Duden oder das beliebte Online-Wörterbuch Wiktionary werfen. Der Duden definiert „pragmatisch“ als „auf die anstehende Sache und entsprechendes praktisches Handeln gerichtet; sachbezogen„. Und Wiktionary definiert den Begriff ähnlich, nämlich als „praxisbezogen, auf Nützliches ausgerichtet, sachlich„.

In der Alltagssprache: „pragmatisch“ bedeutet „sachbezogen, praxisbezogen“

In der Alltagssprache, so wie es in Wörterbüchern definiert ist, bedeutet „pragmatisch“ also vor allem „sachbezogen“ oder „praxisbezogen“. Wenn ich „pragmatisch“ vorgehe, konzentriere ich mich also ganz auf die Sache und nicht auf alles drum herum. Dieses „drum herum“ können ganz unterschiedliche Dinge sein wie Prinzipien, vorgefasste Meinungen, Weltanschauungen oder Emotionen. All diese lasse ich also so weit wie möglich außer Acht und konzentriere mich auf die Sache. Oder anders gesagt: Nicht auf die Theorie, sondern auf die Praxis.

Beispiel: „Pragmatisch sein“ beim Autokauf

Angenommen, ich möchte zum Beispiel ein neues Auto kaufen. Wenn ich mich der Sache „pragmatisch“ nähere, dann konzentriere ich mich auf den praktischen Nutzen, den das Auto für mich haben soll. Es muss zum Beispiel klein und wendig sein, weil ich in der Großstadt in einer engen Straße mit chronischem Parkplatzmangel lebe. Trotzdem brauche ich genug Platz für die Einkäufe im Kofferraum, zwei Kindersitze sollten problemlos auf die Rückbank passen und zu teuer sollte es auch nicht sein.

Andere abstrakte Aspekte wie die Marke, die Emotionen, die ich mit der Marke verbinde, das „Lebensgefühl“ und den „Status“, den das Auto vermitteln soll oder seine Farbe lasse ich erst mal außen vor. Stattdessen konzentriere ich mich auf die praktische Nützlichkeit und die Sache selbst.

Für einen Förster, der am Land lebt und mit dem Auto durch unwegsames Gelände muss, könnte die „pragmatische“ Entscheidung beim Autokauf zu einem ganz anderen Ergebnis führen. Der braucht vielleicht einen robusten Wagen mit Allradantrieb und Anhängerkupplung. Aber der „pragmatische“ Entscheidungsweg wäre grundsätzlich der gleiche, nämlich ein starker Fokus auf die Sache und ihren Nutzen selbst.

Ist „pragmatisch“ sein also immer gut?

Das ist eine schwierige Frage. Sie führt uns in den Bereich der Philosophie, wo die Begriffe „pragmatisch“ und „Pragmatismus“ auch noch eine etwas andere Bedeutung haben. In der Philosophie bezeichnet „Pragmatismus“ nämlich eine Denkschule, wie sie um 1900 in den USA entstanden ist. Entwickelt wurde dieser philosophische Pragmatismus von Denkern wie Charles S. Peirce, William James und John Dewey.

Im Zentrum steht dabei auch hier der Blick auf die praktischen Konsequenzen. Vereinfacht gesagt rät uns der philosophische Pragmatismus nämlich immer dazu, besonders auf die praktischen Konsequenzen zu schauen. Egal ob es um eine Entscheidung wie beim obigen Autokauf geht oder um allgemeinere Fragen, wie was wir für wahr und was wir für gut halten sollen. Der Pragmatismus rät uns immer auf die Ebene der Praxis zu schauen. Denn auf der Ebene der schwammigen Prinzipien und Meinungen verlieren wir uns schnell. Der Blick auf die Praxis erdet und zeigt uns, was funktioniert und was nicht.

Das war jetzt ein sehr kurzer und grober Überblick über die Philosophie des Pragmatismus. Anders formuliert könnte man sagen, der philosophische Pragmatismus geht über die Alltagsbedeutung von „pragmatisch“ als „sachbezogen“ nochmal hinaus und liefert uns eine umfassende Lebensphilosophie, die uns mit Werkzeugen ausstattet, um auch in Zeiten von Ungewissheit und Unsicherheit lebensfroh und entscheidungsfähig zu bleiben.

Das ist natürlich insbesondere in Zeiten wie diesen ein großer Vorteil. Deshalb habe ich ein eigenes Buch zu diesem Thema geschrieben mit dem Titel „Was tun, wenn man nichts tun kann? Pragmatische Philosophie für herausfordernde Zeiten“. Darin zeige ich, welch erfolgversprechende Strategie das „pragmatisch sein“ gerade in unserer heutigen Zeit ist.

Mehr Infos im Buch

Diesen pragmatischen Prozess habe ich in meinem Buch „Was tun, wenn man nichts tun kann?“ ausführlich, verständlich und anhand vieler Beispiele beschrieben.

Nominiert für den NDR-Sachbuchpreis 2025 (Longlist)

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